Naturnahe Grünflächen
Eine kurz geschnittene Rasenfläche oder eine Bepflanzung aus immergrünen Arten wirkt möglicherweise ordentlich und gepflegt, bietet aber oft kaum Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Was auf den ersten Blick grün wirkt, kann für die Artenvielfalt weitgehend wertlos sei. Das Potenzial im Siedlungsraum ist gross: Eine Blumenwiese statt eines englischen Rasens, einheimische Sträucher statt immergrüner Ziergehölze, Wildlumen statt mit Blütenblättern gefüllte Geranien auf dem Fensterbrett, eine begrünte Fassade statt einer kahlen Wand. Solche Schritte lassen den Siedlungsraum schrittweise vielfältiger und lebendiger werden.
Naturgärten: Oasen im Siedlungsraum
Wer seinen Garten naturnah gestaltet, schafft mitten im Siedlungsraum wertvolle Lebensräume. Ein naturnaher Garten verfolgt den Ansatz: Er arbeitet mit der Natur statt gegen sie. Der Garten darf sich verändern, Pflanzen kommen und gehen, und Tiere siedeln sich dort an, wo Nahrung, Schutz und Nistplätze vorhanden sind. Diese Art zu Gärtnern bedeutet allerdings nicht, den Garten sich selbst zu überlassen. Vielmehr geht es darum, gezielt Bedingungen zu schaffen, unter denen eine grosse Artenvielfalt gedeihen kann.
Ein zentrales Element des naturnahen Gartens bilden die möglichst einheimischen Pflanzenarten. Auf einer einheimischen Eiche leben mehrere hundert Insektenarten, auf einer Rosskastanie hingegen nur rund zehn. Kirschlorbeer oder Thuja wachsen zwar schnell und sind immergrün, bieten den Tieren jedoch kaum Nahrung. Als ökologisch wertvolle Alternativen für Hecken und Stauden eignen sich beispielsweise Schwarzer Holunder, Hasel, Weissdorn, Hundsrose sowie verschiedene Obstgehölze wie Apfel, Birne und Kirsche. Die Salweide ist eine der wertvollsten Frühblüherinnen: Bereits an sonnigen Februartagen summt es an ihren Kätzchen, und die vielen Insekten locken auch früh heimkehrende Insektenfresser wie den Zilpzalp an. Eine umfassende Liste mit weiteren einheimischen Pflanzen, die sich für den Garten eignen, findet sich auf infoflora.ch.
Angepasste Pflege
In der naturnahen Gartenpflege haben Pestizide und Kunstdünger keinen Platz. Stattdessen helfen Kompost, Mulch und Brennnesseljauche. Ebenso finden Fadenmähre und Mähroboter keine Anwendung, da sie Kleintiere wie Igel, Blindschleichen und Kröten gefährden können. Auch die jahreszeitliche Pflege ist im Naturgarten an die Bedürfnisse der Tiere angepasst. Idealerweise mäht man gestaffelt und schneidet die Hecken nicht alle gleichzeitig zurück, damit Wildtiere weiterhin Versteckmöglichkeiten und Nahrung finden. Haselsträucher bilden beispielsweise nach einem radikalen Rückschnitt mehrere Jahre keine Nüsse, weshalb sich ein gestaffelter Rückschnitt lohnt. Um die Brutzeit nicht zu störten, sollten Sträucher und Hecken zwischen November und Mitte März geschnitten werden. Damit die in Stängeln überwinternden Insekten nicht durch die Grünabfuhr abtransportiert werden, sollten auch Pflanzenstängel teilweise stehengelassen oder zu einem Asthaufen aufgeschichtet werden.
Die Möblierung des Naturgartens mit Kleinstrukturen
Der vermeintliche «Abfall» wie Schnittgut, Laub oder Steine sind im Naturgarten wertvolle Ressourcen. Zu Haufen aufgeschichtet, bieten sie Wildtieren den benötigten Lebensraum. Auch stehen gelassenes Totholz und Wasserstellen sind wertvolle Kleinstrukturen, die mit wenig Aufwand umsetzbar sind.
Ein Asthaufen, der idealerweise an einem besonnten, windgeschützten und möglichst ungestörten Ort aufgeschichtet wird, bietet Unterschlupf für Igel, Ringelnattern und Zauneidechsen und Verstecke für den Amphibiennachwuchs. Damit die verschiedenen Tierarten den Haufen nutzen können, sollte er von aussen gut zugänglich sein, aus einer Mischung von dünneren und dickeren Ästen bestehen und im Inneren grössere Hohlräume aufweisen. Für die Grundfläche gilt, je grösser, desto besser. Die ideale Höhe liegt zwischen 1 bis 1,5 Meter.


Ebenso werden Steinhaufen oder Trockensteinmauern von verschiedenen Wildtieren besucht. Zauneidechsen und Mauereidechsen nutzen sie als Sonnenplatz und Versteck, Kleinsäuger als Unterschlupf, und für Schmetterlinge können sie Paarungs- und Winterquartier zugleich sein. Die Steine sollten gut besonnt und möglichst wenig gestört werden, mit Steinen und Lücken verschiedener Grössen, um ein Labyrinth aus Hohlräumen zu schaffen. Idealerweise ist er von einem Krautsaum umgeben, welcher weitere Versteckmöglichkeiten bietet. Bereits eine Grösse von zwei bis fünf Quadratmetern reicht oft schon aus.
Totholz ist in jeglicher Form, vom Baumstrunk über liegende Stämme bis zum abgestorbenen Strauch, für die Biodiversität äusserst wertvoll. Zahlreiche Käferlarven, Ameisen, Wildbienen, Pilze, Moose und Flechten sind darauf angewiesen. In Baumhöhlen finden höhlenbrütende Vögel und Fledermäuse Nistmöglichkeiten. Wer im Garten einen alten Baum mit Höhlen oder morschen Stellen stehen lassen kann, sollte dies tun. Auch Laubhaufen, die im Herbst an einem windgeschützten und trockenen Ort aufgeschichtet werden, bieten Insekten und Kleinsäugern wie dem Igel wertvolle Winterquartiere.


Wasserstellen, auch kleine Vogeltränken oder Minteiche, sind insbesondere in der heissen Jahreszeit sehr wertvoll für Wildtiere. Bei kleineren Gefässen ist darauf zu achten, dass das Wasser sauber bleibt und täglich erneuert wird. Entscheidend ist zudem, dass die Wasserstellen flache Einstiege oder Ausstiegshilfen aufweisen, damit Kleintiere nicht ertrinken.
Struktur und Vielfalt auf kleinstem Raum
Der Wert eines naturnahen Gartens steigt erheblich, wenn verschiedene Lebensraumtypen auf engem Raum miteinander verbunden sind: eine Blumenwiese neben einer Wildhecke, ein Steinhaufen am Rande eines Krautsaums oder ein Obstbaum neben einem kleinen Teich. Ein solches kleinräumiges Mosaik ermöglicht es Tierarten, die in ihrem Lebenszyklus verschiedene Lebensräume benötigen, diese auf wenigen Quadratmetern zu finden. Besonders artenreiche Gärten verbinden so Nahrungsquellen, Verstecke und Nistplätze auf einem einzigen Grundstück und bilden damit wertvolle Trittsteine im Siedlungsraum. Der schönste Garten nützt jedoch nichts, wenn er für kleine Wildtiere nicht zugänglich ist. Achten Sie darauf, dass es in bodentiefen Zäunen oder Mauen kleine Durchgänge von mindestens 10 x 10 cm hat, damit Igel & Co. den Lebensraum nutzen können.
Naturnahe Balkone: Die Stadtnatur bei sich zu Hause
Um sich für die Stadtnatur zu engagieren, braucht es keinen eigenen Garten. Naturnah gestaltete Balkone können wertvolle, urbane Trittsteine sein und wichtige Lebensräume für Vögel und Insekten darstellen. Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und Käfer nutzen grüne Balkone als «Tankstellen» auf ihrem Weg durch die Stadt. Wenn grüne Balkone zusätzlich durch Fassadenbegrünungen mit dem Boden oder einer Dachbegrünung verbunden sind, können noch mehr Tiere von den vernetzten Grünstrukturen profitieren.

Begrünte Balkone schaffen wertvollen Lebensraum in der Stadt auf mehreren Etagen.

Balkone bieten nicht nur Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Wildtiere, sie kühlen auch die Umgebung und schaffen eine Wohlfühl-Oase zu Hause.
Gestaltung von ökologisch wertvollen Balkonen
Balkone können auf verschiedenste Weisen naturnah gestaltet werden. Insgesamt gilt, je mehr grün desto besser. Gemüse, wie Fenchel, Dill oder Karotten als beliebte Nahrung für Schmetterlingsraupen, oder blühende Küchenkräuter, wie Majoran oder Schnittlauch, können von Menschen und Wildtieren gleichermassen genutzt werden. Am besten sind jedoch einheimische Wildpflanzen. Die Bepflanzung ist meist unkompliziert, Wildblumen wachsen gut in Blumentöpfen mit Allzweck-Erde, eventuell gemischt mit etwas Sand. Mehrjährige Rankenpflanzen wie Efeu oder Hopfen schaffen noch mehr Lebensraum. Wichtig ist, sich über die Traglast des Balkons zu informieren, wenn man ein grösseres Beet oder eine Gemüsekiste installieren möchte.
Mit der richtigen Pflanzenwahl zum Wildbienenparadies
Leider sind auf den meisten Balkonen wenige bis keine einheimischen Pflanzen zu finden. Dabei sind Kornblumen, Flockenblumen, Wiesensalbei, Wilde Malve, Natternkopf oder Acker-Ringelblumen nicht nur ein Schlemmerbuffet für Schmetterlinge und Wildbienen, sondern auch wunderschön anzusehen. Wenn man Disteln, Karden und Sonnenblumen pflanzt, können auch Distelfinken oder andere Vögel Nahrung finden. Wichtig hierbei ist, die Stängel über Winter stehenzulassen, damit Vögel die Samen fressen können und Insekten darin überwintern können.
Idealerweise pflanzt man sowohl Früh- wie auch Spätblüher, so kann es auf dem Balkon von März bis Oktober blühen. Die ist einerseits schön anzusehen und hilft andererseits der Insektenwelt, die von Frühling bis Herbst auf Nahrung angewiesen ist.
Bei südwärts ausgerichteten Sonnenbalkonen ist darauf zu achten, dass die Pflanzen mit Hitze zurechtkommen und im besten Fall kleine Insektentränken verfügbar sind. Schattenbalkone können hingegen speziell an Hitzetagen beliebt sein. Auf diesen sind Farne und Gräser geeignete Pflanzen.
Tiere die auf dem Balkon anzutreffen sind
Ein Beispiel für einen Balkonbewohner ist der Rosenkäfer. Die Larve kann sich in Balkonkisten entwickeln. Angst um die Pflanze muss man keine haben, da der Rosenkäfer keine lebenden Pflanzenteile frisst, und stattdessen wertvollen Humus produziert. Auch das Taubenschwänzchen, welches wie ein Kolibri an Blüten schwebt, um Nektar zu saugen, kann beobachtet werden. Um Tag- oder Nachtfalter zu fördern ist ein diverses, einheimisches Blütenangebot hilfreich.

Rosenkäfer sind gern gesehene Gäste auf Balkonen und produzieren Humus in Pflanzentöpfen.

Das Taubenschwänzchen ist ein tagaktiver Nachtfalter, der durch seine Flugweise an einen Kolibri erinnert.
Vertikalbegrünung: mehr als nur Dekoration
Einheimische Kletterpflanzen an Fassaden sind weit mehr als ein ästhetischer Blickfang. Sie kühlen Gebäude, verbessern die Luftqualität und schaffen mitten in der Stadt wertvollen Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere. Und das auf Flächen, die sonst ungenutzt bleiben.
Ein verbreiteter Vorbehalt gegenüber Fassadenbegrünung ist die Sorge, die Pflanzen könnten der Hauswand schaden. Bei fachgerechter Planung und Pflege ist das Gegenteil der Fall: Eine Begrünung schützt die Fassade vor UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und starken Witterungseinflüssen und verlängert so deren Lebensdauer deutlich. Die Haftorgane von Kletterpflanzen, die ohne Gerüst direkt an der Hauswand wachsen, sind weder feuchtigkeitsaufnehmend noch feuchtigkeitsabgebend. Einzig beim Abreissen der haftenden Kletterpflanzen, könnte eine bröckelige Fassade Schaden nehmen. Kletterpflanzen, die auf ein Gerüst angewiesen sind, schaffen einen kleinen Abstand zur Wand. Dieser Zwischenraum sorgt für eine gute Luftzirkulation und verhindert somit die Bildung übermässiger Feuchtigkeit. Feuchtigkeitsschäden entstehen deshalb bei intaktem Mauerwerk nicht.
Neben dem Schutz der Fassade reichern die Pflanzen die Luft mit Sauerstoff an, binden Feinstaub und Schadstoffe und kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung. Im Winter wirken immergrüne Arten zusätzlich isolierend und können Heizkosten senken.

In der Stadt Zürich finden sich verschiedene Beispiele für Fassadenbegrünungen, etwa in Wiedikon an der Wuhrstrasse. Ein jährlicher Rückschnitt verhindert, dass Triebe in Dachrinnen, Fenster oder andere Öffnungen einwachsen.

Ergänzt man die Begrünung noch mit Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse oder Insekten, steigt der ökologische Nutzen weiter.
Begrünte Fassaden für mehr Biodiversität
Während sich an eine kahle Hauswand kaum ein Tier verirrt, bietet eine begrünte Fassade einer überraschend grossen Vielfalt an Tierarten Lebensraum. Studien zeigen, dass sich an begrünten Wänden zwei- bis fünfmal mehr Vögel aufhalten als an unbegrünten. Rotkehlchen, Zaunkönig, Amsel und Haussperling nutzen das dichte Geäst als Schlaf- und Nistplatz, während Grauschnäpper und Zilpzalp Insekten aus dem Blattwerk picken.
Auch für Schmetterlinge ist eine begrünte Fassade attraktiv: Admiral und Distelfalter saugen Nektar an den Blüten, das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs suchen Schutz im Blattwerk. Wildbienen wie Gartenhummel, Steinhummel und Rote Mauerbiene sammeln Pollen und Nektar, besonders an spät blühenden Pflanzen wie dem Efeu, der im September und Oktober blüht – zu einer Zeit, in der viele andere Nahrungsquellen bereits verschwunden sind. Heuschrecken wie die Punktierte Zartschrecke und verschiedene Spinnenarten wie die Gartenkreuzspinne finden in der Begrünung Deckung und Jagdrevier. Je älter eine Fassadenbegrünung wird, desto wertvoller ist sie: Mit der Zeit entstehen dichte Strukturen und Hohlräume, in denen Tiere nisten, überwintern und sich fortpflanzen können.
Welche Art der Begrünung passt?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen bodengebundener und fassadengebundener Begrünung. Bei der bodengebundenen Variante wurzeln die Pflanzen im Boden, versorgen sich selbst mit Wasser und Nährstoffen und sind pflegeleichter und günstiger. Fassadengebundene Systeme, wie etwa Regalsysteme oder flächige Pflanzenmodule an der Wand, benötigen ein Bewässerungssystem und müssen durch Fachleute erstellt und gewartet werden. Sie eignen sich besonders dort, wo keine Bodenfläche vorhanden ist oder hohe Brandschutzanforderungen bestehen.
Bei den Kletterpflanzen unterscheidet man Selbstklimmer und Gerüstklimmer. Selbstklimmer wie der einheimische Efeu haften mit Haftwurzeln direkt an der Fassade und eignen sich gut für intakte, rissfreie Wände ohne Aussendämmung. Efeu blüht erst nach rund zehn Jahren in seiner Altersform, aber dann wird er zur wertvollen Nahrungsquelle für Insekten im Herbst und für Vögel im Winter. Gerüstklimmer wie Waldrebe (Clematis), Geissblatt (Lonicera), Hopfen (Humulus) oder Spalierobst benötigen eine Rankhilfe, sind dafür aber vielseitiger lenkbar.
Pflanzenwahl, Pflege und rechtliche Hinweise
Für den ökologischen Nutzen ist die Wahl einheimischer Arten entscheidend. Waldrebe, Geissblatt, Hopfen und Efeu sind standortgerecht und bieten einheimischen Tieren weit mehr als exotische Zierpflanzen. Spalierobst wie Apfel, Birne oder Aprikose verbindet Nutzwert mit ökologischem Mehrwert. Invasive Arten wie Japanisches Geissblatt, Kiwi oder Armenische Brombeere sollten auf keinen Fall verwendet werden. Stark schlingende Pflanzen wie Glyzinien dürfen zudem nie an Regenfallrohren hochklettern, da sie diese beschädigen können.
Die laufende Pflege beschränkt sich bei bodengebundenen Systemen vor allem auf einen jährlichen Rückschnitt – besonders rund um Fenster, Dachrinnen und Dach. Je älter eine Fassadenbegrünung wird, desto wertvoller wird sie als Lebensraum. Mit der Zeit entstehen dichte Strukturen, in denen Vögel nisten und Insekten überwintern können. Zu beachten ist ausserdem: Grössere Fassadenbegrünungen gelten in vielen Gemeinden als Fassadenveränderung und benötigen eine Baubewilligung. Auch Brandschutzvorschriften, die je nach Gebäudehöhle variieren, sind frühzeitig abzuklären. In der Stadt Zürich gibt es zudem ein Förderprogramm für private Grundeigentümerschaften.
Vorteile von strukturreichen Dachbegrünungen
Dachbegrünungen haben das Potenzial, ungenutzte Flächen in der Stadt in wertvolle Lebensräume zu verwandeln. So können grosse Überbauungen sowie auch kleine Busstationen oder Fahrradunterstände zum Ersatzlebensraum werden. Die Besonderheit dabei ist, dass diese Flächen mobilen Lebewesen vorbehalten sind, die in der Lage sind, diese kletternd oder fliegend zu erschliessen. Dazu gehören erstaunlich viele verschiedene Käfer, Heuschrecken, Wildbienen, Spinnen, Vögel und sogar Schnecken. Auch bedrohte Arten wurden auf Dachbegrünungen dokumentiert, wie beispielsweise viele Orchideenarten auf dem Seewasserwerk Moos in Wollishofen oder Laufkäfer und Heuschrecken, welche in der Roten Liste aufgeführt werden. Für den ökologischen Wert ist essenziell, dass die Dächer Strukturelemente wie Sandlinsen, Totholz, Steinhaufen und kleine Hügel aufweisen.
Vorteile für den Menschen
Neben ihrem ökologischen Wert halten Gründächer Wasser zurück, welches mittels Verdunstung hilft die Stadt zu kühlen. Auch auf das Gebäude selbst wirkt eine Dachbegrünung wie eine natürliche Wärmedämmung. Schadstoffe und Feinstaub werden aus der Luft gefiltert. Die kühlende Wirkung von Dachbegrünungen kann auch den Wirkungsgrad von Fotovoltaikanlagen verbessern, wenn diese in Kombination eingesetzt werden. Was es allerdings braucht, ist ein regelmässiger Unterhalt, sodass die Dächer Neophyten wie dem Einjährigen Berufskraut nicht zur Ausbreitung verhelfen. Auch sonst ist eine gewisse Pflege notwendig, um die Dachbegrünung instand zu halten. Allerdings ist der Nutzen sowohl für den Menschen als auch die Natur im Siedlungsraum sehr hoch.
Dach-Netzwerke
Begrünte Dächer müssen durch benachbarte Grünräume in den Siedlungsraum eingebunden sein. Einerseits weil sie als Trittsteinhabitate Populationen aus der umliegenden Natur und anderen begrünten Dächern miteinander vernetzen. Aber auch, weil sie keinen gleichwertigen Ersatz für bodenebene Grünräume darstellen, da sie für die Anwohner meist nicht erlebbar sind und auch nur für einen Teil der Stadtfauna zugänglich sind. Je besser diese Inselhabitate mit umliegenden Grünräumen im Austausch stehen, desto grösser ist ihr ökologischer Wert. Die Vernetzung kann beispielsweise auch durch Fassadenbegrünungen verbessert werden.
Dächer als Nistplätze
Verschiedene bodenbrütende Vögel konnten sich erfolgreich auf Flachdächern ansiedeln. Der Kiebitz ist einer dieser Bodenbrüter. Während die Art auf Wiesen und Äckern durch intensive Nutzung und Räuberdruck bedroht wird, bieten Dächer einen Ersatzlebensraum. Allerdings ist es wichtig, dass die Kiebitz Küken dort ein ausreichendes Nahrungsangebot vorfinden und sich in der Vegetation vor direkter Sonneneinstrahlung schützen können. Des Weiteren müssen die noch flugunfähigen Küken vor einem Sturz von der Dachkante geschützt sein. Auf Gründächern nahe am Wasser konnten auch Kolonien von Flussseeschwalben angesiedelt werden. Ein Beispiel für ein solches Dach ist das Bootshaus in Horgen, wo sich die Vögel seit 2014 erfolgreich etablieren konnten.