Wildtiere in der Nachbarschaft

Die Biodiversität in Städten ist oft höher, als man vermutet. Rund die Hälfte aller einheimischen Wildtierarten kommt auch im Siedlungsraum vor. Unterschiedliche Lebensräume, das wärmere Stadtklima und ein vielfältiges Nahrungsangebot schaffen günstige Bedingungen für viele Arten.
Einerseits sind anpassungsfähige Kulturfolger wie der Rotfuchs oder der Haussperling gut an das Leben in der Stadt angepasst. Andererseits profitieren auch spezialisierte Arten, etwa verschiedene Wildbienen, von den oft reichhaltigen Blütenangeboten im Siedlungsraum, die in intensiv genutzten Agrarlandschaften seltener sind. Dadurch können Städte teilweise sogar artenreicher sein als landwirtschaftlich geprägte Gebiete.

Säugetiere im Siedlungsraum

Viele Säugetiere leben vor unserer Haustüre: Von den in der Schweiz rund 100 vorkommenden Säugetierarten leben etwa 40 Arten in der Stadt Zürich. Allerdings bringt der städtische Lebensraum besondere Herausforderungen mit sich: Strassen, Mauern und Zäune wirken als Barrieren und erschweren es vielen Arten, sich im Lebensraum zu bewegen. Der Verkehr stellt zudem oftmals eine tödliche Gefahr dar. Deshalb ist für bodenlebende Säugetiere entscheidend, dass die Grünräume gut vernetzt sind. Dennoch kommen einige Arten, wie beispielsweise Igel, heute sogar häufiger in Siedlungen und Städten vor als in ländlichen Regionen. Sie finden in gut durchgrünten Wohnquartieren mehr natürliche Strukturen und Versteckmöglichkeiten und somit oft bessere Lebensbedingungen als in intensiv genutzten Landwirtschaftsgebieten.

Der Fuchs ist seit längerem im Siedlungsraum anzutreffen. Er ist ein sehr anpassungsfähiges Tier und weiss das üppige Nahrungsangebot der Menschen zu nutzen. Mittlerweise bilden die Stadtfüchse in Zürich eine eigene Population, die sich genetisch von den Landfüchsen unterscheidet. Auch beim Dachs lässt sich in neuerer Zeit beobachten, dass er mehr und mehr zum Städter wird.

Eine Auswahl typischer Arten im Siedlungsraum

Igel

Der Igel (Erinaceus europaeus) ist dämmerungs- und nachtaktiv und lebt häufig in Gärten, Parks oder naturnahen Grünflächen. Tagsüber versteckt er sich in Hecken, Laubhaufen oder unter Sträuchern. Er gehört zu den Insektenfressern und durchsucht Wiesen und Gebüsche nach Käfern oder Regenwürmern. Während der Nahrungssuche kann ein Igel mehrere Kilometer zurücklegen. Auf seinen Streifzügen trifft er oftmals auf Barrieren wie undurchlässige Zäune, Mauern oder hohe Treppenstufen. Daher sind neben einer naturnahen Gartengestaltungen mit Versteckmöglichkeiten auch Durchschlüpfe wichtig, die die Grünräume miteinander verbinden. Von Ende Oktober bis März hält er Winterschlaf und ist dabei auf geschützte Verstecke angewiesen.

Fuchs

Der Fuchs (Vulpes vulpes) ist ein anpassungsfähiger Bewohner des Siedlungsraums und kommt auch in der Stadt Zürich häufig vor. Er nutzt ein vielfältiges Nahrungsangebot, das neben Beeren, Fallobst, Mäusen und Regenwürmern zu einem grossen Teil aus Abfällen besteht, die von uns Menschen stammen. Weil er im Siedlungsraum viel Nahrung findet, sind die Fuchsdichten in der Stadt meist höher als im ländlichen Raum. Daher bilden Füchse hier oftmals Familiengruppen, wobei sich nicht alle Füchse der Familie fortpflanzen. Mittlerweise bilden die Stadtfüchse in Zürich eine eigene Population, die sich genetisch von den Landfüchsen unterscheidet. Das Revier wird gemeinsam verteidigt, auf Nahrungssuche ist er aber meist allein unterwegs. Die Streifgebiete der Stadtfüchse sind kleiner als diejenigen der Landfüchse.

 

Dachs

Der Dachs (Meles meles) ist wie viele Säugetiere nachtaktiv und bleibt deshalb meist unbemerkt. Trifft man ihn auf seinen nächtlichen Streifzügen an, ist er mit seiner schwarz-weissen Gesichtszeichnung und seiner kräftig wirkenden Gestalt eine eindrucksvolle Erscheinung. In den letzten Jahrzehnten konnten Dachse immer häufiger auch in der Stadt Zürich beobachtet werden – neben dem Stadtfuchs wird nun auch der Dachs zum «Städter». Dachse leben in Familiengruppen und nutzen selbst gegrabene Baue, die oft über viele Jahre bestehen bleiben. Sie sind Allesfresser und suchen gerne den Boden nach Regenwürmern oder Fallobst ab. Zur Nahrungssuche nutzen sie unter anderem Grünflächen, Wiesen und Gärten.

Eichhörnchen

Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) lebt vor allem in Bäumen und bewegt sich geschickt kletternd und springend durch die Baumkronen. Früher war es vor allem in Wäldern zu Hause, heutzutage lebt es auch in Siedlungsgebieten. Vorzugsweise dort, wo es grössere Bäumen hat. Es ist meist tagsüber aktiv und kommt häufig in Parks, Gärten oder auf Friedhöfen vor, wo es sowohl in den Bäumen als auch am Boden nach Nahrung sucht. Typisch ist, dass es Vorräte anlegt, indem es Nüsse und Samen vergräbt oder in Baumhöhlen versteckt. Damit Eichhörnchen im Siedlungsraum genügend Nahrung finden, sind sie auf einen vielfältigen und gut vernetzten Baumbestand angewiesen.

Fledermäuse

In der Schweiz gibt es 30 Fledermausarten, in der Stadt Zürich sind etwa 14 Arten nachgewiesen. Alle Fledermäuse sind nachtaktiv und nutzen Ultraschallrufe zur Orientierung. Sie jagen in grünen Quartieren, bei Bäumen und über Gewässer nach Insekten. Im Siedlungsraum ist die Zwergfledermaus oder die Weissrandfledermaus sehr häufig zu beobachten, beide profitieren vom wärmeren Stadtklima. Als Verstecke nutzen sie Spalten an Gebäuden, Rolladenkästen, Dachstöcke oder Baumhöhlen. Viele Fledermausarten sind lichtempfindlich. Künstliche Beleuchtung, wie helle und nach oben bzw. in die Umwelt abstrahlende Leuchten an Gebäuden oder Brücken, schränken den Lebensraum der Fledermäuse stark ein.

Säugetiere im Jahresverlauf

Säugetiere sind im Siedlungsraum das ganze Jahr über anzutreffen. Je nach Art bleiben sie auch im Winter aktiv oder ziehen sich in geschützte Verstecke zurück. Ihr Fell hilft ihnen, die Körpertemperatur konstant zu halten, gleichzeitig sind sie auf ausreichend Nahrung und geeignete Rückzugsorte angewiesen.

Im Frühling beginnt bei vielen Säugetieren die Fortpflanzungszeit. Jungtiere werden geboren und wachsen in geschützten Verstecken auf. Den Sommer nutzen sie, um Energiereserven für den Winter anzulegen oder Vorräte zu sammeln. Der Winter stellt für viele Arten eine besondere Herausforderung dar. Einige, wie Igel oder Fledermäuse, machen einen Winterschlaf und senken dabei ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen. Andere Arten wie der Dachs oder das Eichhörnchen halten eine Winterruhe. Sie sind weniger aktiv, wachen zwischendurch auf und verlassen ihre Verstecke gelegentlich. Viele Tiere nutzen als Überwinterungsorte geschützte Orte wie Höhlen, Ast- oder Laubhaufen. Andere Arten wie beispielsweise der Fuchs bleiben im Winter aktiv, da sie auch in dieser Zeit ausreichend Nahrung finden.

Wie gut Tiere durch die Jahreszeiten kommen, hängt auch davon ab, wie ihre Lebensräume im Siedlungsraum gestaltet sind.

Säugetiere fördern – Lebensraum gestalten

Damit die hier vorgestellten Arten und weitere Säugetiere wie Spitzmäuse, Siebenschläfer oder Haselmäuse im Siedlungsraum geeignete Lebensbedingungen finden, sind gut gestaltete Grünräume wichtig. Dazu gehören Gärten, Balkone, Grünflächen und je nach Lage auch Gewässer. Entscheidend sind genügend Verstecke, Rückzugsorte und Nahrung. Hecken, Sträucher, Wiesenbereiche oder Flächen mit höherem Gras bieten Schutz und Orientierung. Stein-, Ast- und Laubhaufen, Holzstapel oder Mauern dienen als Überwinterungsorte.

Ebenso wichtig ist ein breites Nahrungsangebot von Frühling bis Spätherbst. Eine Vielfalt an Wildpflanzen lockt zahlreiche Insekten und andere Kleintiere an, die vielen Säugetieren als Nahrung dienen. Bäume und Hecken mit Beeren, Nüssen oder Früchten sind beliebte Nahrungsquellen bei Fuchs, Dachs und Eichhörnchen. Oft reichen schon kleine Veränderungen. Eine weniger intensiv gepflegte Ecke im Garten, ein Ast- oder Laubhaufen, eine Blumenwiese statt eines kurz geschnittenen Rasens oder ein mit Wildpflanzen bepflanzter Balkon können viel bewirken.

Knospen, Blüten, Früchte und Nüsse sind wichtige Nahrungslieferanten für Kleinsäuger wie diese Zwergmaus.

Vögel im Siedlungsraum

Städte bieten Lebensraum für viele Vogelarten. In Zürich etwa brüten rund 100 Vogelarten und somit die Hälfte aller Brutvogelarten der Schweiz. Im Winter kommen zusätzlich rund 130 Arten hinzu, die hier überwintern oder auf dem Zug Rast machen.

Der urbane Raum bietet dabei sowohl Vorteile als auch Herausforderungen. Mildere Temperaturen im Winter und ein vielfältiges, oft ganzjähriges Nahrungsangebot können bestimmten Arten zugutekommen. Gebäude können Arten, die normalerweise in Felsen brüten, passende Nistmöglichkeiten bieten. Auch gibt es in Siedlungen oft weniger natürliche Feinde. Gleichzeitig gehen durch Umbauten und Verdichtung wichtige Brutplätze verloren, und Verkehr, Glasflächen, Lärm oder künstliches Licht belasten.

Besonders die sogenannten „Kulturfolger“ haben sich gut an das Leben im Siedlungsraum angepasst, nutzen Gebäude, Parks oder naturnahe Gärten als Lebensraum. Manche Arten sind heutzutage sogar häufiger in Siedlungen und Städten anzutreffen als im ländlichen Raum. Sie finden in Siedlungen Ersatzlebensräume, welche in intensiv genutzten Agrarlandschaften seltener geworden sind. Ein Beispiel dazu ist der Alpensegler, der in der Schweiz hauptsächlich in Städten vorkommt.

Typische Arten im Siedlungsraum

Alpensegler

Der Alpensegler (Tachymarptis melba) war ursprünglich ein Felsenbrüter und hat sich gut an das Leben im Siedlungsraum angepasst. Er brütet fast ausschliesslich an Gebäuden und kehrt jedes Jahr an denselben Nistplatz zurück. Wird dieser bei Renovationen entfernt, verlieren die Tiere ihren Brutort, was sich negativ auf ihren Bestand auswirken kann. Die anschliessende Suche nach einem neuen Niststandort kann sehr lange dauern. Alpensegler verbringen fast das ganze Leben in der Luft und sind nur zum Brüten an festen Standorten anzutreffen. Nahrung, Wasser und sogar Schlaf finden sie im Flug, oft hoch über den Dächern unseren Städten.

Amsel

Die Amsel (Turdus merula) lebte ursprünglich in dichten Wäldern. Erst in den letzten rund 100 Jahren hat sie sich zunehmend an das Leben in Siedlungen angepasst. Heute gehört sie in Europa zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Brutvögeln.  Sie frisst gerne Regenwürmer, Insekten und Schnecken, aber auch Beeren und Früchte. Männliche Amseln lassen sich durch ihr schwarzes Gefieder und den auffällig gelben Schnabel gut von Weibchen und Jungvögeln unterscheiden.

Mönchsgrasmücke

Ursprünglich ein Bewohner von Wäldern und dichten Gebüschen, hat sich die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) stark an den Siedlungsraum angepasst. Sie profitiert dort von strukturreichen Gärten, Hecken und Grünanlagen, die ihr gute Nistmöglichkeiten bieten. Die milderen Temperaturen in Städten und das vielfältige Nahrungsangebot tragen dazu bei, dass sie heute häufig in Wohngebieten zu beobachten ist. Die Mönchsgrasmücke ist optisch eher unscheinbar, abgesehen von ihrem Käppchen, welches bei den Männchen schwarz und bei den Weibchen braun ist. Mit ihrem melodischen, flötenden Gesang gehört die Mönchsgrasmücke im Frühling zu den charakteristischen Vogelstimmen in Gärten und Parks.

Hausrotschwanz

Der Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) war ursprünglich ein Bewohner felsiger Berglandschaften, ist heute jedoch in der ganzen Schweiz verbreitet. Als Kulturfolger hat er sich an Siedlungen angepasst und nutzt Gebäude als Ersatz für Felsen. Der Hausrotschwanz fällt durch seinen leuchtend roten Schwanz und seinen markanten, kratzigen Gesang auf, der stellenweise an eine «Sendestörung» erinnert. Beim Singen sitzen die Männchen oft gut sichtbar auf erhöhten Plätzen wie Dächern oder Mauern.

Turmfalke

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) war ursprünglich ein Felsbewohner, hat sich jedoch gut an den urbanen Raum angepasst und nutzt heute Kirchtürme, hohe Gebäude oder Scheunen als Brutplätze. Gleichzeitig bieten offene Flächen im Siedlungsraum wie Wiesen oder Strassenränder genügend Jagdmöglichkeiten. Dank der Fähigkeit zum Rüttelflug, dem Fliegen an Ort und Stelle, kann er sehr kleinräumig jagen und aus der Luft „stehend“ nach Beute wie Mäusen Ausschau halten. Der Turmfalke gehört zu den häufigen Vogelarten und ist in vielen Teilen Europas verbreitet.

Vögel im Jahresverlauf

Viele Vogelarten nutzen den Siedlungsraum je nach Jahreszeit unterschiedlich. Einige bleiben das ganze Jahr über dort und finden auch im Winter genügend Nahrung. Andere ziehen im Herbst in wärmere Regionen und kehren im Frühling zurück (Zugvögel, zum Teil Kurzstreckenzieher oder Langstreckenzieher). Wieder andere kommen im Winter aus dem Norden zu uns (Wintergäste).

Vögel fördern – Lebensraum gestalten

Damit Vögel auch im Siedlungsraum leben können, sind sie auf geeignete Lebensräume angewiesen, sowohl im Sommer als auch im Winter. Dazu gehören Orte, an denen sie Nahrung finden, sich ausruhen und geschützt sind. Besonders die Nahrung spielt eine wichtige Rolle: Im Frühling, wenn die Vögel ihre Jungen aufziehen, sind die meisten Arten auf Insekten als Nahrung angewiesen. Entscheidend sind deshalb naturnahe Gärten, Balkone und Grünflächen mit einheimischen Wildpflanzen und Totholz, da sie Lebensraum und Nahrung für viele Insekten bieten. Im Winter helfen naturnahe Gärten, wenn einheimische Pflanzen essbare Beeren, Früchte oder Samen tragen. Beispiele dafür sind: Vogelbeere, Hundsrose, Kreuzdorn, Sonnenblumen oder Buchweizen. Grosse und alte Bäume bieten Lebensraum für zahlreiche Insekten und Vögel und spenden gleichzeitig Schatten. So entstehen Orte, die sowohl für Tiere als auch für Menschen angenehm sind. Flache Wasserschalen werden besonders in den Sommermonaten von Vögeln gerne als Trink- und Badegelegenheit genutzt. Wichtig ist dabei eine gute Hygiene: Die Schale sollte täglich gereinigt und mit frischem Wasser befüllt werden.

Im Winter gehören Beeren zu den bevorzugten Nahrungsquellen der Amseln.

Hilfe für Vögel

Wird ein verletzter oder geschwächter Vogel gefunden, kann eine Fachstelle weiterhelfen. Die Voliere Zürich unterstützt telefonisch bei der Einschätzung der Situation und nimmt gegebenenfalls  Wildvögel auf. Aber nicht jeder scheinbar hilfsbedürftige Vogel braucht auch wirklich Hilfe: Bei vielen Vogelarten durchlaufen Jungvögel eine Ästlingsphase, bei der sie – noch nicht vollständig flugfähig – von den Eltern ausserhalb des Nestes gefüttert werden. Solche unverletzten Jungvögel sollen in der Natur von ihren Eltern aufgezogen werden.

Voliere-Gesellschaft Zürich

Amphibien und Reptilien im Siedlungsraum

Amphibien und Reptilien haben es in der Schweiz zunehmend schwer. Mehr als 80 % der heimischen Reptilienarten stehen auf der Roten Liste und gelten als gefährdet. Auch die Amphibien sind stark betroffen: Von den 19 einheimischen Arten stehen 15 Arten auf der Roten Liste. Trotz zahlreicher Schutzmassnahmen sind die Bestände vieler Arten weiterhin rückläufig, auch wenn sich die negativen Trends in den letzten Jahren teilweise abgeschwächt haben. Hauptursachen sind der Verlust und die Zerschneidung ihrer Lebensräume. Feuchtgebiete wurden trockengelegt, kanalisiert oder überbaut. Gleichzeitig sind wichtige Kleinstrukturen wie Hecken, Steinhaufen oder Trockenmauern vielerorts verschwunden, Strukturen, die für viele Arten überlebenswichtig sind.

Auch der Siedlungsraum birgt Gefahren, etwa durch Verkehr, offene Schächte oder intensive Gartenpflege, bei der Strukturen entfernt, häufig gemäht oder Pestizide eingesetzt werden. Dennoch finden Amphibien und Reptilien auch im Siedlungsraum geeignete Lebensräume vor. Voraussetzung ist, dass in Gärten und Grünflächen Rückzugsorte wie Stein- und Asthaufen und für Amphibien stehende Gewässer für die Fortpflanzung vorhanden sind.

Typische Arten im Siedlungsraum

Erdkröte

Die Erdkröte (Bufo bufo) ist in der Schweiz weit verbreitet und nicht stark gefährdet. Dennoch ist ihr Vorkommen rückläufig. Gründe dafür sind unter anderem ihre starke Ortstreue. Sie bevorzugt grössere, dauerhafte Gewässer und kehrt zur Fortpflanzung jedes Jahr an genau denselben Ort zurück. Wird dieses Gewässer zerstört, kann die gesamte Population verschwinden. Ein anderes Risiko sind die Strassen, die sie auf ihren jährlichen Wanderungen queren muss und die leider vielfach tödlich ausgehen. Während der Frühlingswanderung zum Laichgewässer legt die Erdkröte oft mehr als drei Kilometer zurück. Nach ca. zwei Wochen am Laichgewässer beginnt sie zurückzuwandern und sucht Wälder oder Gärten auf, wo sie den Sommer verbringt. Sie frisst Insekten, Schnecken und Regenwürmer und versteckt sich gerne in selbstgegrabenen Höhlen, Stein-, oder Asthaufen.

Erdkröte auf einer Strasse vor einem Autoreifen.
Grasfrosch

Der Grasfrosch (Rana temporaria) ist sehr anpassungsfähig und besiedelt unterschiedlichste Gewässer, von kleinen Tümpeln bis zu grösseren Weihern. Grasfrösche sind meist sehr zeitig im Frühling an ihren Laichgewässern anzutreffen. Bereits Ende Juni können tausende Jungfrösche in der Nähe von Teichen und Weihern auf ihrer Wanderung in die Sommerquartiere beobachtet werden. Die Körperfärbung und die Muster sind sehr variabel. Insbesondere als Jungtiere sind sie schwierig von Wasserfröschen und Teichfröschen zu unterscheiden.

Bergmolch

Der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) lebt in unterschiedlichsten Gewässern, vom sonnigen Gartenweiher bis zum schattigen Waldtümpel. Er profitiert besonders von neu angelegten, naturnahen Gartenteichen und Kleingewässern und kann solche Lebensräume schnell besiedeln, solange sie fischfrei sind. Feuchte Versteckmöglichkeiten in der Nähe des Gewässers bieten den Molchen den nötigen Schutz vor Fressfeinden, dienen aber auch als Überwinterungsort. Als Versteckmöglichkeiten eignen sich Bretter, die am Boden liegen, Holzstapel oder auch Laub- und Asthaufen.

Feuersalamander

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) lebt bevorzugt in feuchten Wäldern und nutzt dort Verstecke wie unterirdische Gänge, Felsspalten oder Höhlen. Auch im Siedlungsraum kommt er vor, wenn geeignete Gewässer und Rückzugsorte vorhanden sind, etwa in Gärten oder bei Gebäuden, wo er sich tagsüber in feuchten Kellern, Schächten oder unter Holzhaufen aufhält, die auch zur Überwinterung dienen.

Der nachtaktive Feuersalamander ernährt sich von Würmern, Schnecken und Insekten. Dank seiner auffälligen gelb-schwarzen Warnfärbung ist er gut erkennbar. Seine Hautgifte schützen ihn wirksam vor Fressfeinden, die für den Menschen jedoch ungefährlich sind.

Mauereidechse

Die Mauereidechse (Podarcis muralis) ist in der Schweiz heimisch, wurde jedoch in einigen Regionen – unter anderem im Raum Zürich – vom Menschen verbreitet. Sie hat sich entlang von Bahnlinien und in Siedlungsgebieten ausgebreitet. Sie profitiert vom wärmeren Klima im Siedlungsraum und besiedelt sonnige, steinige Lebensräume wie Ruderalflächen, Bahndämme oder Gärten mit spaltenreichen Mauern. Die Mauereidechse jagt Spinnen, Insekten, Asseln und andere Wirbellose. Sie ist flinker als die Zauneidechse und kann sich dadurch besser vor Hauskatzen schützen.

Zauneidechse

Die Zauneidechse (Lacerta agilis) lebt in strukturreichen, warmen Lebensräumen wie Böschungen oder naturnahen Gärten. Durch den Verlust geeigneter Lebensräume wird sie zunehmend seltener. In einigen Gebieten wird sie zusätzlich von der anpassungsfähigeren Mauereidechse verdrängt. Ausserdem sind Hauskatzen ernstzunehmende Fressfeinde. Während der Fortpflanzungszeit im Frühling zeigen die Männchen eine auffällige grüne Färbung an den Flanken und an der Kehle.

Blindschleiche

Die Blindschleiche (Anguis fragilis) ist in der Schweiz weit verbreitet. Blindschleichen sind beinlose Echsen und können sehr alt werden, in Gefangenschaft sogar über 40 Jahre. Sie jagen kleine Nacktschnecken oder Regenwürmer und sind oft in der Nähe eines Komposthaufens zu finden. Sie ist sehr anpassungsfähig und kommt auch in Gärten, Parks oder anderen Grünflächen im Siedlungsraum vor. Leider sind Blindschleichen häufige Opfer von Hauskatzen, Strassenverkehr oder Mährobotern.

Ringelnatter

Die Ringelnatter (Natrix natrix) ist auf Gewässer und feuchte Lebensräume angewiesen und lebt vor allem in der Nähe von Weihern, Seen, Flüssen oder Auen. Da viele dieser Lebensräume verschwunden sind, ist sie heute seltener geworden. Ringelnattern besuchen meist mehrere Gewässer in ihrem Gebiet, auch Gartenteiche, in denen sie schwimmend und tauchend Amphibien und Fische jagen. Die Ringelnatter ist nicht giftig und für Menschen ungefährlich. In der Nähe von menschlichen Siedlungen steuern Hauskatzen und die Störung durch Menschen einen großen Teil zum Bestandsrückgang der Ringelnatter bei.

Amphibien und Reptilien im Jahresverlauf

Im Frühling, wenn die Temperaturen erstmals über etwa 5 °C steigen und es regnet, beginnen viele Amphibien ihre Wanderung von den Überwinterungsgebieten zu den Laichgewässern., wo sie ihre Eier ablegen und sich anschliessend die Larven entwickeln. Die meisten Amphibien sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Im Herbst, meist im September oder Oktober, suchen Amphibien ihre Winterquartiere auf. Sie überwintern in frostfreien Verstecken, zum Beispiel im Boden, unter Steinen, in Laubhaufen oder im Wald. Während dieser Zeit befinden sie sich in Winterruhe, das heisst, sie reduzieren den Stoffwechsel stark und leben von ihren Fettreserven.

Reptilien sind vor allem von Frühling bis Herbst aktiv. Sie brauchen warme und sonnige Plätze, damit sie ihre Körpertemperatur regulieren können. Steinhaufen, Mauern oder Böschungen sind deshalb wichtige Strukturen in ihrem Lebensraum. Im Frühling, meist ab April, beginnen Reptilien nach den ersten Sonnenbädern in der Nähe ihrer Überwinterungsplätze mit der Paarung. Anders als Amphibien legen sie dafür keine weiten Strecken zurück, sondern bleiben meist in einem kleinräumigen Gebiet rund um ihre Verstecke, Sonnenplätze und Jagdbereiche. Wenn im Herbst die Temperaturen sinken, ziehen sich Reptilien in ihre Winterquartiere zurück. Diese befinden sich zum Beispiel in Nagetierbauten oder Wurzelgängen von Bäumen und müssen frostfrei sein.

Amphibien und Reptilien fördern – Lebensraum gestalten

Im Siedlungsraum gibt es viele Möglichkeiten, Lebensräume für Amphibien und Reptilien zu schaffen. Wichtig sind naturnahe, strukturreiche Bereiche mit vielen Versteckmöglichkeiten. Reptilien brauchen sonnige Plätze wie Steinhaufen, Trockenmauern oder lückige, strukturierte Böschungen wo sie sich aufwärmen können und gleichzeitig Schutz vor Fressfeinden und Störungen finden. Amphibien sind auf feuchte Bereiche angewiesen und profitieren besonders von naturnahen Gewässern wie Gartenteichen. Zusätzlich benötigen sie Verstecke an Land, etwa unter Laubhaufen, in Hecken oder zwischen Steinen. Wichtig ist zudem, dass man im Garten auf Pestizide verzichtet und eine Überdüngung von Böden und Gewässern vermeidet.

Naturnahe Teiche, Versteckmöglichkeiten, trockene Stellen zum Sonnenbaden und einheimische Stauden und Wildblumen machen gute Amphibien- und Reptilienlebensräume aus.

Insekten & andere Wirbellose im Siedlungsraum

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe. In der Schweiz sind rund 30’000 Arten bekannt, etwa ein Drittel davon kommt auch in der Stadt Zürich vor. Insekten übernehmen zentrale Funktionen in unseren Ökosystemen. Sie bestäuben Pflanzen, bauen organisches Material ab, verbessern die Bodenqualität und dienen vielen anderen Tieren als Nahrung. Doch viele Arten stehen stark unter Druck. In der Schweiz sind fast 60 % der untersuchten Insekten gefährdet oder potenziell gefährdet. Besonders betroffen sind Lebensräume in intensiv genutzten Landschaften und in Gewässern. Probleme stellen die intensive Landwirtschaft, das Siedlungswachstum und die dadurch zunehmende Versiegelung, die intensive Nutzung von Grünflächen mit Einsatz von Pestiziden, aber auch die Lichtverschmutzung und die fehlende Vernetzung der Lebensräume dar.

Typische Arten im Siedlungsraum

Dunkle Erdhummel

Die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) gehört zu den häufigsten Wildbienenarten und ist auch in Zürich weit verbreitet. Sie kommt in fast allen offenen Lebensräumen vor, etwa in Gärten, Parks oder auf Wiesen. Sie ist eine wichtige Bestäuberin vieler Pflanzen und im Siedlungsraum dort anzutreffen, wo es ein vielfältiges Blütenangebot und strukturreiche Flächen gibt.

Zitronenfalter

Der Zitronenfalter (Genopteryx rhamni) ist ein auffälliger Schmetterling, der ein häufiger Bewohner des Siedlungsraum ist und hier in Gärten oder Parks lebt. Er gehört zu den wenigen Arten, die den Winter als Falter überstehen und deshalb schon früh im Jahr zu sehen sind. Er ist auf strukturreiche Grünflächen mit Sträuchern und Blütenpflanzen angewiesen, seine Raupe leben auf verschiedenen Kreuzdornarten.

Schwarze Wegameise

Die Schwarze Wegameise (Lasius niger) ist eine der häufigsten Ameisenarten in der Stadt Zürich und kommt in fast allen Quartieren vor. Sie lebt in Gärten, entlang von Wegen oder sogar in Blumentöpfen und auf Balkonen. Ihre Nester baut sie meist im Boden, zum Beispiel unter Steinen, Platten oder in Ritzen von Mauern. Typisch sind kleine Erdhäufchen rund um die Nesteingänge. Die Schwarze Wegameise ernährt sich vor allem von zuckerhaltigem Honigtau, den Blattläuse ausscheiden. Daneben frisst sie auch kleine Insekten. Beim Sammeln von Nahrung trägt sie zur Verbreitung von Pflanzensamen bei und spielt so eine wichtige Rolle im Ökosystem.

Gemeine Feuerwanze

Auch die Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus) ist in der Stadt Zürich häufig anzutreffen, besonders unter Bäumen, in Gärten oder Parks. Sie lebt meist am Boden und hält sich oft in Gruppen in der Nähe von Laubbäumen auf. Sie ernährt sich vor allem von Samen, insbesondere von herabgefallenen Samen von Linden oder anderen Pflanzen. Daneben saugt sie gelegentlich auch an toten Insekten oder Insekteneiern. Als sogenannter „Gartenhelfer“ trägt die Feuerwanze dazu bei, organisches Material zu verwerten und die Anzahl anderer Kleintiere zu regulieren. Trotz ihres auffälligen Aussehens ist sie für Menschen und Pflanzen harmlos.

Grosse Zitterspinne

Die Grosse Zitterspinne (Pholcus phalangioides) ist im Siedlungsraum weit verbreitet und häufig in Gebäuden zu finden, etwa in Kellern, Ecken oder an Decken. Dort baut sie lockere, unregelmässige Netze, in denen sie kleine Insekten und andere Spinnen fängt. Wird sie gestört, beginnt sie ihr Netz schnell zu schütteln. Dadurch verschwimmen ihre Umrisse, dieses typische Zittern hat der Zitterspinne auch ihren Namen gegeben.

Weinbergschnecke

Die Weinbergschnecke (Helix pomatia) ist eine von über 250 Schneckenarten, die in der Schweiz vorkommen, auch im Siedlungsgebiet. Sie bevorzugt feuchte Stellen in Gärten, unter Hecken oder an Bachufern und ernährt sich gerne von Wildkräutern und von abgestorbenem Pflanzenmaterial. Für die Winterruhe sucht sich die Weinbergschnecke einen frostsicheren Ort.

Gemeiner Regenwurm

Auch der Gemeine Regenwurm (Lumbricus terrestris) ist im Siedlungsraum weit verbreitet. Er lebt in Wiesen, Gärten und wenig gestörten Böden. Dort lockert er die Erde und trägt zur Bildung von fruchtbarem Humus bei. Regenwürmer ernähren sich vor allem von abgestorbenem Pflanzenmaterial wie Laub, Wurzeln oder anderem organischem Material. Dieses wird im Boden von Mikroorganismen zersetzt und von den Würmern aufgenommen. Dabei entsteht nährstoffreiche Wurmlosung, die als natürlicher Dünger wirkt.

Insekten und andere Wirbellose im Jahresverlauf

Insekten und andere wirbellose Tiere zeigen sehr unterschiedliche Jahresverläufe. Je nach Art überwintern sie als Ei, Larve, Puppe oder als ausgewachsenes Tier und sind zu verschiedenen Zeiten aktiv. Viele Arten sind vor allem im Frühling und Sommer sichtbar, wenn sie sich entwickeln, fortpflanzen und Nahrung finden. Im Winter sind sie meist kaum zu sehen. Sie überdauern die kalte Zeit in geschützten Verstecken, etwa im Boden, unter Laub, in Pflanzen oder an Gebäuden.

Wie gut sie durch das Jahr kommen, hängt stark von geeigneten Lebensräumen im Siedlungsraum ab, etwa von strukturreichen Grünflächen, Böden oder Rückzugsorten. Aber auch die Gartenpflege hat einen Einfluss: Da viele Insekten als Ei oder Larve in Pflanzenstängel überwintern, ist es für Wildbienen & Co. problematisch, wenn im Herbst die alten Pflanzenstängel abgeschnitten und weggeräumt werden. Durch diese Aufräumarbeiten vernichtet man leider die Insektengeneration des nächsten Jahres. Man schützt somit zahlreiche nützliche Insekten, die in den Stängeln von beispielsweise Brombeere, Sonnenblume oder Schilf überwintern, wenn man die trockenen Stängel im Staudenbeet stehen lässt.

Insekten fördern – Lebensraum gestalten

Der Siedlungsraum bietet viele Möglichkeiten, Lebensräume für Insekten und andere wirbellose Tiere zu schaffen. Entscheidend sind vielfältige und naturnahe Strukturen. Blütenreiche Flächen mit einheimischen Pflanzen liefern Nahrung für viele Arten wie Wildbienen oder Schmetterlinge. Ebenso wichtig sind Kleinstrukturen wie offene Bodenstellen, Totholz, Stein- oder Asthaufen. Sie bieten Verstecke, Entwicklungsorte und Überwinterungsmöglichkeiten.
Wichtig ist: Die meisten Zierpflanzen wie Geranien, Forsythien oder Begonien haben keinen Nutzen für Insekten, da deren Pollen und Nektar zu Gunsten grosser Blütenblätter weggezüchtet wurden. Das Pflanzen von Wildstauden wie Kornblumen, Natternkopf, Flockenblumen etc. sieht nicht nur schön aus, sondern hat auch einen grossen Nutzen.

Eine vielfältige Wildblumenfläche im Siedlungsraum bietet Insekten Nahrung und Lebensraum über die ganze Saison.